7 Tipps für eine gute Einrahmung

Nicht jedes Kunstwerk braucht unbedingt einen Bilderrahmen. Es gibt aber viele gute Gründe, warum sich Bilderrahmen seit der Gotik bis zum heutigen Tag in der Kunstwelt gehalten haben.

Mit einer schlechten Einrahmung kann man das beste Kunstwerk zerstören. Andersherum kann eine gute Einrahmung fast jedes Bild besser in Szene setzen. Hier ein paar Tipps:

1. Suchen Sie einen Einrahmer, der nicht am liebsten selbst Künstler geworden wäre

Es bedarf sicherlich Kreativität und Vorstellungsvermögen – mal abgesehen von den handwerklichen Fähigkeiten -, um ein guter Einrahmer zu sein. Leider gibt es in der Branche zahlreiche Einrahmer, die sich berufen fühlen, die Kreativität des Künstlers fortzuführen oder sogar noch einen draufzusetzen. Das ist weder im Sinne des Künstlers – sonst hätte er sich eventuell bereits um einen eigens gestalteten Künstlerrahmen gekümmert – noch bestehen hohe Chancen, dass beispielsweise ein mehrfarbiges Passepartout oder die Fortsetzung des Kunstwerks auf dem Rahmen das Kunstwerk wirklich fördern.

Ein guter Einrahmer nimmt sich zurück und versucht, allein das zu rahmende Bild zur Geltung zu bringen. Und wenn dies nur durch eine schlichte Naturholz- oder Aluminiumleiste gelingt, dann ist es Aufgabe des Einrahmers, den Kunden darauf hinzuweisen.

Wird Ihnen der Einrahmer zu kreativ und haben Sie das Gefühl, dass er den Rahmen und nicht das Bild im Fokus hat, dann fragen Sie Google nach einer Alternative.

2. Dem Rahmen gilt der 2. Blick

Die gute Einrahmung lenkt den Blick. Sie sorgt dafür, dass das Kunstwerk sich von der Wand abhebt und eventuell auch Details, wie ein schöner Büttenpapierrand oder auch eine seitlich bemalte Leinwand, unterstrichen werden. Erstaunt über diese Beeinflussung darf der 2. Blick auch dem Rahmen gelten, der den ersten Blick zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat. Beim intensiven zweiten Blick entdeckt man ebenfalls Einzelheiten wie eine gute handwerkliche Verarbeitung, geschlossene Gehrungen und stimmige Proportionen.

3. Stil ist nicht nur das Ende des Besens

Lassen Sie sich Einrahmungsvarianten zeigen, die dem Stil, der Epoche des Kunstwerks entsprechen. Dies sorgt u. U. für ein besseres Verständnis des Kunstwerks an sich. So kann beispielsweis ein klassizistischer Rahmen mit Verzierungsformen aus dem Altertum stilbildende Merkmale des Kunstwerks aufgreifen und verstärken. Insbesondere in der zeitgenössischen Kunst gibt es zahlreiche Künstler, die bestimmte Einrahmungen favorisieren. Auch auf diesen Stil sollten Sie in der Beratung hingewiesen werden.

Wenn diese Vorschläge nicht nach Ihrem Geschmack sind, erlauben sie immerhin einen “sicheren” Stilbruch. So hat schon Picasso mit Vorliebe seine hochmodernen Bilder in historischen Rahmen der Renaissance präsentiert. Am Ende des Tages sollten Sie die Einrahmung wählen, die Ihre Vorstellungen trifft. Es ist aber besser, sich bewusst gegen etwas entschieden zu haben.

4. Schauen Sie auf die Dinge, die sie nicht sehen

Nur, weil ein Kleid wenig Stoff hat oder ein Smartphone weniger Knöpfe hat als ein älteres Handy, bedeutet das nicht, dass es schlechter geworden ist.

Ähnlich ist es bei einer modernen Einrahmung: Will man vielleicht aus ästhetischen Gründen weniger breite Bilderrahmen sehen, dann wird ein guter Einrahmer eine Konstruktion finden, die auf unsichtbare Art die Stabilität gewährleistet. Gewisse physikalische Gesetze kann ein Einrahmer zwar nicht aushebeln, aber unsichtbar in den Griff bekommen. Das dies nicht unbedingt günstiger ist als eine massive Einrahmung, sollte sich von selbst verstehen. Ich erinnere an das oben genannte Kleid.

Noch wichtiger sind allerdings die unsichtbaren Komponenten einer konservatorischen Einrahmung. Montagematerialien, wie Klebebänder, sollten reversibel sein. D. h. Sie bzw. der Einrahmer sollten in der Lage sein, ein Bild möglichst rückstandsfrei wieder ausrahmen zu können. Dauerhaft, z. B. durch eine ganzflächige Kaschierung, den Zustand eines Kunstwerks zu verändern, sollte reiflich überlegt werden.

Gute und schlechte Kartonagen sind anfangs alle weiß. Erst nach etlichen Jahren stellt sich heraus, ob auch tatsächlich alterungsbeständige, säurefreie Kartons verwendet wurden. Ob die Einrahmung staubdicht abgeklebt wurde, muss man erfragen.

Und drehen Sie Ihre Einrahmung um! Wenn Ihnen schon die Rückseite der Einrahmung nicht sauber montiert und abgeklebt erscheint, warum sollte es dann der Rest der Montage sein?

5. Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Es gibt nicht nur Fake News sondern auch Fake Material. Nicht nur Blattgold und Blattsilber werden imitiert. Auch sämtliche Holzoberflächen gibt es als imitierendes Furnier. Auf den ersten Blick ist das sicherlich in Ordnung und preislich mag dies auch z. T. die passende Lösung sein. Hat man einmal einen Blick für das echte Material, stört man sich oft dauerhaft am Imitat. Außerdem sollte man sich fragen, ob bei furnierten Tropenhölzern der Preis, den die Umwelt zahlt, nicht zu hoch ist.

Besonders glänzen oder besser spiegeln kann auch simples Glas. Zum Teil sieht man von sich selbst beim Betrachten eines Bildes mehr als vom Kunstwerk an sich. Entspiegeltes Glas erhöht nicht nur den Kunstgenuss, sondern ist oft auch mit einem besonderen UV-Schutz kombinierbar, der Farbveränderungen eines Bildes, die kaum zu restaurieren sind, bestmöglich verhindert.

6. Die Farbe des Sofas ist egal

Die Einrahmung muss zum Bild passen. Da ist es zunächst unerheblich, wo das Bild aufgehängt werden soll. Selbstverständlich kann bei der Art der Einrahmung auch auf den grundsätzlichden Stil in der Wohnung bzw. dem Büro geachtet werden. In der Regel aber bleibt die Einrahmung deutlich länger um ein Bild als das Sofa in der Wohnung. Außerdem macht es Spaß, Bilder nach einem neuen Anstrich umzuhängen. Auch wenn den Einrahmer dann eine Umrahmung freuen würde, sollte dies nicht unbedingt notwendig sein.

Es kommt nicht von ungefähr, dass neutrale Farben, wie Schwarz und Dunkelbraun, aber vor allem Gold- und Silbertöne seit fast 600 Jahren ständig für Bilderrahmen eingesetzt werden. Sie konkurrieren nicht mit den Farben eines Bildes, sondern sind in der Lage, dieses besonders wirken zu lassen.

7. Nur was richtig hängt, macht lange Spaß

Die Meisten hängen Bilder zu hoch auf. Das ist auch verständlich, weil man Bilder in der Regel stehend aufhängt. In manchen Räumen betrachtet man sie jedoch eher aus einer sitzenden Position. Nichts ist ärgerlicher, als im Sitzen ständig nur auf die untere Kante eines Bildes zu schauen. Überlegen Sie also, ob Sie die Bilder vorwiegend sitzend oder stehend betrachten.

Hier kann dann auch die richtige Aufhängung entscheidend sein. Die gute alte Drahtaufhängung hat den Vorteil, dass das Bild leicht gekippt von der Wand hängt, so dass man sitzend einen guten Blickwinkel auf das Motiv hat. Anders im Flur: hier empfehlen wir eine Aufhängung, die das Bild sehr flach auf der Wand anliegen lässt. In öffentlich zugänglichen Fluren mag zudem eine diebstahlsichere Aufhängung angebracht sein.

Der Ort an dem ein Kunstwerk aufgehängt wird, hat auf die Dauer Einfluss auf den Zustand eines Kunstwerks. Sogar beim besten UV-absorbierenden Glas schadet eine dauerhafte Sonneneinstrahlung mit der Zeit. Achten Sie neben dem Licht auch auf schwankende Temperaturen. Gemälde in der direkten Nähe von Heizkörpern reißen schneller als anderswo, da die Leinwand je nach Wärme unterschiedlich gespannt ist. Papierarbeiten reagieren enorm auf feuchte Wände und feuchte Räume. Dies kann durch eine Einrahmung deutlich reduziert, jedoch nicht vollständig verhindert werden.

Zuguterletzt noch ein Hinweis zum Preis und Wert einer Einrahmung: Der Preis kann ab und zu in einem ungewöhnlichen Verhältnis zum Preis eines Kunstwerks stehen. Aber den Wert der Einrahmung merken Sie oder Ihre Kinder oft erst nach Jahrzehnten. Künstler und Galeristen rahmen oft gar nicht oder nur einfach. Das mag manchmal ein künstlerischer Ausdruck sein. Ob Max Pechstein etwas Künstlerisches ausdrücken wollte, als er seine Bilder nur auf Bettlaken malte, müssen Kunsthistoriker entscheiden.

 

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