„Man muss genau hinschauen“
Im Gespräch erzählt Diplom-Restauratorin Maja Bieniecki M.A. von ihrem Weg in die Restaurierung, von der Nähe zwischen Restaurierung und Rahmenhandwerk und davon, was es bedeutet, ein Kunstwerk mit Feingefühl zu bewahren.
Was hat Dich ursprünglich zur Restaurierung geführt – und was hält Deine Faszination für diesen Beruf bis heute wach?
Ich habe schon immer sehr gerne gemalt und gezeichnet. Durch Zufall bin ich mit der Restaurierung in Berührung gekommen: Ein Restaurator, den ich kennengelernt hatte, fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, ihn im Rahmen eines Praktikums mit Zeichnungen zu unterstützen. Diese Begegnung hat schließlich den Weg für meine berufliche Entscheidung eröffnet. Mein Studium habe ich in Polen absolviert. Bis heute fasziniert mich die Restaurierung, weil sie so vielfältig ist und keine Langeweile aufkommt: Die unterschiedlichen Materialien, Techniken und Aufgaben stellen mich immer wieder vor neue Herausforderungen. Besonders schön ist es, wenn man sieht, wie groß der Unterschied zwischen dem Zustand vor und nach einer Restaurierung sein kann – manchmal staune ich selbst darüber, was sich im Prozess der Restaurierung erreichen lässt.
Du arbeitest bereits seit vielen Jahren mit der Conzen Bilderrahmenmanufaktur zusammen. Wo begegnen sich die Arbeit einer Restauratorin und das traditionelle Rahmenhandwerk der Conzen Bilderrahmenmanufaktur?
Für mich liegen Restaurierung und Rahmenhandwerk näher beieinander, als man zunächst denkt. In beiden Fällen geht es darum, ein Kunstwerk zu bewahren und seinen Charakter zu respektieren. Ein Rahmen soll das Werk schützen und zugleich zu ihm passen. Ich vergleiche ihn gerne mit einem Kleidungsstück: Er kann die Wirkung eines Kunstwerks unterstreichen, sollte sich aber nie in den Vordergrund drängen. Ähnlich ist es bei der Restaurierung. Man muss genau hinschauen, das Material und die Geschichte des jeweiligen Werks verstehen und dann entscheiden, was ihm guttut und was man besser unangetastet lässt.
Was ist für Dich bei einer Restaurierung besonders wichtig, damit ein Kunstwerk nach der Restaurierung wieder als das eigene Werk wahrgenommen wird?
Für mich ist wichtig, dass eine Restaurierung diskret und sensibel ausgeführt wird. Ergänzungen und Eingriffe sollen sich möglichst selbstverständlich in das Werk einfügen. Wenn man am Ende wieder das Kunstwerk in seiner ursprünglichen Wirkung wahrnimmt und nicht den Eingriff, ist für mich viel erreicht.
Was können wir durch die Restaurierung eines Kunstwerks über seine Entstehung, seine Materialien und seine Zeit erfahren – und warum ist dieses Wissen auch für kommende Generationen wichtig?
Bei der Restaurierung ist es wichtig, zwischen der natürlichen Patina eines Kunstwerks und tatsächlichen Schäden zu unterscheiden. Ich sehe meine Rolle dabei ein wenig wie die einer Ärztin für Kunstwerke: Ich muss erkennen, was zur Geschichte und zum Alter eines Werkes gehört und wo tatsächlich eine Schädigung vorliegt, die behandelt werden muss. Der zentrale Aspekt meiner Arbeit ist für mich das Bewahren – von Geschichte, fachlichem Wissen und den verwendeten Materialien. Am Zustand eines Werkes lassen sich oft Spuren seiner Entstehungszeit und seiner Geschichte ablesen. Dieses Wissen zu erhalten und auch die Freude an Geschichte und Familiengeschichten an kommende Generationen weiterzugeben, ist für mich ein wichtiger Teil meiner Arbeit.




