Zwischen Zerstörung und Erinnerung –
Ein Rahmen für verlorene Kunst
Wie in den vergangenen Jahren unterstützten wir auch in diesem Jahr Studierende der Düsseldorfer Kunstakademie mit unserer Expertise und unserem Handwerk bei der Präsentation ihrer Werke im Rahmen des jährlichen Rundgangs.
Ein besonderes Projekt, an dem wir mitwirken durften, ist die eindrucksvolle Arbeit „Rekonstruktion A2 & Simulation B2“ des Kunststudenten Christian Behre aus der Bildhauereiklasse von Prof. Martin Gostner.
In seinem Projekt „Rekonstruktion & Simulation“ setzt sich der Künstler mit der Zerstörung von Kulturgütern im Laufe der europäischen Geschichte auseinander. Sein Ansatz ist tiefgründig und transformatorisch: Er reflektiert, wie Bilder im kulturellen Gedächtnis bewahrt werden – und warum sie mitunter verschwinden. Nach welchen Kriterien gehen Kunstwerke in die Geschichte ein? Wie werden historische Gemälde für kommende Generationen bewahrt und unter welchen Umständen geraten sie in Vergessenheit? Welche Spuren kultureller Bedeutung bleiben sichtbar?
Da Christian seine künstlerische Arbeit als Installation versteht, sind die rekonstruierten und simulierten Gemälde nicht als klassische Bilder zu begreifen, sondern als Skulpturen. Sie treten als dreidimensionale Objekte in den Raum und entfalten dort ihre körperliche Präsenz. Gerade dieses Ineinandergreifen von Malerei und Bildhauerei verleiht seiner Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgeschichte eine besondere Qualität.
Christian Behre beschreibt seinen Ansatz so:
„Ein zentraler Aspekt meiner Arbeit ist die Ästhetik des Zerstörten. Für mich verlieren Kunstwerke ihre Bedeutung nicht, nur weil sie beschädigt oder zerstört wurden. Wenn ihnen ihre ursprüngliche Funktion genommen wird, entsteht eine neue Form von Präsenz. Indem ich meine Arbeiten der Zerstörung aussetze, wird dieser Prozess selbst Teil des künstlerischen Schaffens. Zerstörung ist für mich keine bloße Konsequenz, sondern eine aktive Form des Ausdrucks.“




In diesem Jahr widmete sich Christian Behre dem um 1600 entstandenen Gemälde „Der Heilige Sebastian“ des vermutlich venezianischen Malers Giovanni Contarini. Das Werk war während des Zweiten Weltkriegs im Flakturm Friedrichshain eingelagert worden, um es vor Bombenangriffen zu schützen, und wurde 1945 bei einem Brand zerstört.
Um das Gemälde so originalgetreu wie möglich zu rekonstruieren, suchte der Künstler nach einem passenden Rahmen. Seine Recherche führte ihn schließlich zu uns in die Bilderrahmenmanufaktur Conzen.
Dank unserer Sammlung historischer Rahmen und unserer kunsthistorischen Expertise konnten wir ihn bei diesem Prozess unterstützen. Unsere Senior-Beraterin und Kunsthistorikerin Sabine Ruzicka begleitete ihn bei der Auswahl.
Von dem Gemälde im Kontext der ursprünglichen Hängung existierte lediglich ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto. Das Ziel war es, diese letzte dokumentierte Erscheinung des Werkes zu rekonstruieren. Die Wahl fiel schließlich auf ein nach innen zum Bild hin abfallendes und unverziertes Profil mit einer Leistenbreite von acht Zentimetern.




In unserer Werkstatt fertigten wir zwei maßgearbeitete Rahmen nach diesem Profil an und bereiteten sie mit traditioneller Grundierung für die weitere Bearbeitung vor. Die sorgfältige Ausarbeitung der Oberfläche bildete die Grundlage für den nächsten Schritt im Atelier des Künstlers. Die beiden großen Rahmen im Format 209,2 x 113,3 cm haben wir in die Kunstakademie geliefert, wo die weiteren Arbeitsschritte erfolgten. Die Vergoldung mit Schlagmetall wurde zu einem integralen Bestandteil dieser Arbeit – als eines der sichtbaren Elemente jener Transformation, die Zerstörung und Rekonstruktion miteinander verbindet.
Wir danken Christian Behre für das entgegengebrachte Vertrauen und die inspirierende Zusammenarbeit, die uns große Freude bereitet hat! Projekte wie dieses zeigen, dass der Rahmen nicht nur ein ästhetischer Abschluss ist, sondern ein aktiver Bestandteil kultureller Erinnerung.



